Der Verein
Vom Grundstein bis Heute

Im Jahre 2000 hatten wir einen besonderen Anlass zum Feiern. Der Reit- und Fahrverein e.V. kann auf eine 25jährige Vereinsgeschichte zurückblicken. Nun ist ein 25jähriges Jubiläum nichts besonderes, gemessen an den um vieles älteren Vereinen unserer Gemeinde.

Dennoch sollten wir uns veranlasst sehen, einmal innezuhalten, um zurückzuschauen auf die äußeren Umstände, die zur Gründung unseres Vereins geführt haben.
Erinnern wir uns an die Mitglieder, die es damals auf sich genommen haben, den Reitsportinteressierten ein sportliches Zuhause, einen Verein mit eigenen Reitanlagen, zu schaffen.
Im September 1975 war es vor allem der Verkehrsverein mit seinem Vorsitzenden Albert Stiemerling, der sich für die Idee, einen Reitverein zu gründen, interessierte.

Es wurden die Reitsportler, die zum Teil in den Reitvereinen der Umgebung ihren Sport ausübten, angesprochen und für die Idee begeistert. In der Fernsehsendung "Sport in Niedersachsen", auch "Sportschau der Nordschau" genannt, wurde erstmals offiziell über die geplante Vereinsgründung berichtet.
Am 14. November 1975 wurde die Vereinsgründung mit 29 Mitgliedern vollzogen. Zum 1. Vorsitzenden wurde Martin Ullrich gewählt. Am 2. Weihnachtstag 1975 wurde erstmals ein Vereinsreiten mit den damals vorhandenen Pferden unter freiem Himmel auf einer Wiese von Albert Stiemerling durchgeführt. Es stellte sich jedoch heraus, dass es die falsche Weide war, auf der geritten wurde. Der Reitverein erhielt eine Anzeige und wurde gebührenpflichtig verwarnt. Die erste Amtshandlung des 1. Vorsitzenden bestand darin, ein Bußgeld in Höhe von 20 DM zu bezahlen. Im März 1976 begann der Reitbetrieb mit Ponys, Kleinpferden und den Pferden von A. Stiemerling regelmäßig am Sonntag. Bald jedoch reifte der Plan, eine eigene Halle zu bauen.

Es wurden Bauvoranfragen gestellt und über den Ankauf von verschiedenen Grundstücken diskutiert. Durch die Vermittlung des damaligen Gemeindedirektors Fritz Husung kam es zum Ankauf des Geländes, auf dem die Anlagen heute stehen: ca. 10 000m² zum Preis von 0,75 DM/m².

In der Osterwoche 1977 wurde mit dem Bau begonnen, der Verein verfügte über ein Eigenkapital von 386 DM. Wieviel Mühe es gekostet hat, die Finanzierung zu sichern, soll hier nicht im einzelnen erwähnt werden. Besondere Verdienste haben sich hier Udo und Albert Stiemerling erworben. Die Reithalle wurde hauptsächlich durch Eigenleistung der Mitglieder, unter Führung von Martin Ullrich, errichtet. Die Finanzierung konnte nur sichergestellt werden mit Hilfe des Landes, des Landkreises Osterode, der Gemeinde und nicht unerheblichen Beträgen von Albert Stiemerling. Ohne das ehrenamtliche Engagement der damaligen Mitglieder wäre aber die Reitanlage niemals finanzierbar gewesen.
So konnte Weihnachten 1977 der Reitbetrieb in der Halle aufgenommen werden. Im Sommer 1978 wurde die Halle fertiggestellt, die offizielle Einweihung erfolgte am 15. Juni 1979. Das erste Turnier organisierte der Verein 1980. Anläßlich des Turniers 1981 erhielten Martin Ullrich und Albert Stiemerling die Silberne Ehrennadel des Landesverbandes für ihre Verdienste um den Reitsport in Hattorf, sie haben sich beide um den Reitsport große Verdienste erworben.

Der Reitunterricht wurde in den folgenden Jahren hauptsächlich ehrenamtlich erteilt. Es unterrichteten Martin Ullrich, Helga Rakebrand, Rainer Mertens, Inge und Volker Hammes, Sabine Harenberg, Rudi Hartmann, Jörge Petersen und Peter Hermanns.
Anläßlich des 10-jährigen Bestehens im Jahre 1985 wurden für ihre langjährige Vorstandsarbeit mit der silbernen Ehrennadel des Reiterverbandes Helga Rakebrand, Edith Barke und Karl Matzdorf geehrt.
In den Anfängen des Reitvereins wurden die Geselligkeit und Gemeinschaft besonders gepflegt. Zu den auswärtigen Turnieren fuhren alle Reiter mit ihren Eltern gemeinsam. Alle fieberten und freuten sich zusammen über jeden Erfolg der Hattorfer Reiter.

Am 24.9.1982 gab Martin Ullrich seinen Vorsitz ab. Manfred Thoms leitete von nun an die Geschicke des Vereins. Die Entwicklung des Vereins ging kontinuierlich weiter. Am 6.4.1990 gab Manfred Thoms aufgrund seiner kommunalpolitischen Verpflichtungen seinen Vorsitz ab. Herbert Lohrengel übernahm die Führung im Verein. Unter seiner Leitung wurde am 22.9.1991 das erste Fahrturnier ausgerichtet. Ein- und Zweispänner aus Hannover, Göttingen, Nordhausen, Seesen, Ilfeld und dem Landkreis OHA gaben sich ein Stelldichein. Alle waren begeistert. Leider kam bislang kein derartiges Turnier mehr zustande, obwohl der Verein über einige Gespannfahrer mit wunderschönen Kutschen verfügt.
Im August 1991 legte Herbert Lohrengel aus persönlichen Gründen sein Amt nieder. Auch nachdem er in die zweite Reihe zurückgetreten war, hat er weiterhin den Verein mit vielen handwerklichen Arbeiten unterstützt.

Helmut Böttcher,bis dahin 2. Vorsitzender, übernahm nun kommissarisch die Geschäfte. Im November 1991 wurde er einstimmig zum neuen ersten Vorsitzenden gewählt. Dieses Amt bekleidet er bis heute. Kaum im Amt, musste er eine schwere Aufgabe übernehmen. Martin Ullrich verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit am 18.7.1992 und musste zu Grabe getragen werden. Dies war für alle Vereinsmitglieder eine sehr schmerzliche Angelegenheit.

Das Vereinsleben, die sportlichen Aktivitäten mit festen wiederkehrenden Veranstaltungen nahmen mit dem Anstieg der Mitgliederzahlen unter Helmut Böttcher ständig zu. Seit 1980 wurde jedes Jahr ein C-Turnier durchgeführt. Das änderte sich unter dem Vorsitz von Manfred Thoms auf ein C/B Turnier. Die Zahl der startenden Reiter nahm von Jahr zu Jahr zu. Beim Jubiläumsturnier im Jahr 2000, dem 20. Turnier, waren 504 Pferde am Start.

Viele gemeinsame Ausritte fanden statt. Das Weihnachtsreiten am 3. Advent ist bis heute zu einer festen Einrichtung geworden. Der 3. Hattorfer Orientierungsritt wird in diesem Jahr stattfinden. Das Westernreiten ist auch im Verein heimisch geworden. In diesem Jahr soll im September ein Cup-Turnier ausgerichtet werden. 1991 und 1999 wurden je eine-Fohlenschau durchgeführt. Auch einige Züchter gehören dem Verein an, die viel von der Pferdezucht verstehen und in den vergangenen Jahren immer wieder züchterisch hervorragende Fohlen hervorgebracht haben, bis hin zur Auktion in Verden.
Vereinsmeisterschaften, Dressur- und Spinglehrgänge, Reitabzeichen sowie das "Kleine Hufeisen" hielten Reiter und Ausbilder immer wieder auf Trab.

Schulpferde, das "Standbein" des Vereins. Unter dem Vorsitzenden Manfred Thoms wurden die ersten Schulpferde vom Verein erworben. Er hatte erkannt, dass mit wenigen Privatreitern ohne eine breitere Basis kein Erfolg erzielt werden konnte. Höher qualifizierte Ausbilder sind für unsere wenigen Reiter nicht finanzierbar. Viele ältere Vereins- und auch Vorstandsmitglieder standen diesen Anschaffungen kritisch , ja sogar ablehnend gegenüber. Heute, nach fast 15 Jahren, kann man sagen, es war genau der richtige Schritt. Für Kinder, die Spaß an Pferden und am Reiten haben, sich finanziell aber kein eigenes Pferd leisten können, ist diese Lösung optimal. Reiten im Hattorfer Verein ist nicht mehr nur ein Sport für Begüterte. Viele Pferde haben im Laufe der Jahre dem Verein angehört, haben viel Freude bereitet, manchmal aber auch Kummer verursacht. Von den Reitkindern werden diese Pferde besonders geliebt und gepflegt. Manfred Thoms, Herbert Lohrengel und Helmut Böttcher fuhren 1990 durch Südniedersachsen, um ein Voltigierpferd zu kaufen. Sie fanden "Lady Moon". Voltigieren, eine neue Sparte im Reitverein, konnte nun angeboten werden. Helga Rossberg, ausgebildete Voltigierwartin, konnte für diese Aufgabe gewonnen werden. Sie übt ihr Amt bis heute ohne Unterbrechung mit viel Liebe und Geduld aus. Durch die jährlich stattfindende "Voltifreizeit" auf einem Reiterhof wird die Gemeinschaft gepflegt und gefestigt. Das Voltigieren entwickelte sich zum "Renner". Viele neue Vereinsmitglieder wurden durch diese Disziplin gewonnen. Mit dem Voltigierpferd "Lady Moon" konnte ab März 1993 eine neue Form der krankengymnastischen Behandlung angeboten werden: das "Therapeutische Reiten". Hauptzielgruppe des Angebotes sind Kinder und Erwachsene, die an neurologischen Bewegungsstörungen leiden. Im Landkreis Osterode war dies ein einmaliges krankengymnastisches Behandlungsangebot. Für die Hippotherapie ist nicht jedes Pferd geeignet, die Pferde müssen wie unsere "Lady" besonders brav und geduldig sein. Frau Eva Marie Ebel, eine staatlich anerkannte Krankengymnastin, mit der Lizenz für Hippotherapie, leitete mit viel Geduld die Therapiestunden. Nach ihrem Weggang übernahm Frau Christina Goldmann aus Moringen diese Aufgabe. Heute liegt das therapeutische Reiten in den Händen von unserem Vereinsmitglied Frau Kriemhild Robrecht.

Unsere Reitanlage muss von den Mitgliedern selbst gepflegt werden. Viele Arbeitsstunden sind für die Pflege und Instandhaltung von Halle, Platz und Stallungen notwendig. Unsere gewählten Hallenwarte haben aber trotzdem noch viel zu tun. Für Helmut Böttcher, einem handwerklich sehr geschickten Mann, war die Wahl zum 1. Vorsitzenden des Vereins eine besondere Herausforderung. Von 1991 bis heute hat er mit sehr vielen Ideen und kreativer Fantasie vieles auf den Weg gebracht. Als erstes wurde 1991 die Bande in der Halle erneuert. Viele Vereinsmitglieder halfen hochmotiviert mit. Innerhalb weniger Tage war die Arbeit verrichtet. Da die Nachfrage zum Einstallen ständig stieg, mußten mehr Boxen hergerichtet werden. In Eigenleistung, unter der Regie von Ralf Groß, wurden auf dem hinteren Teil des Geländes 4 Außenboxen erstellt, sogar zwei mit Auslauf. Eine "First- Class- Einrichtung" für 4 Pferde.

Helmut Böttcher ging zu den Familien Lohrengel, Schirmer und Jork und bat darum, dem Reitverein das Stück Land neben der Miste und dem Aussenplatz zu verkaufen. Er hatte Erfolg, sie verkauften dem Verein das Land zu einem fairen Preis. So konnten Paddocks und Weiden für unsere Pferde eingezäunt werden. Die Miste wurde vergrößert und betoniert. Es wurde nach und nach erneuert, ausgebaut und verschönert. Eine Richterbude für den Springplatz wurde hergestellt. Hierbei war unser verstorbenes Vereinsmitglied Herbert Dunemann maßgeblich beteiligt. Das "Gelbe Ei" wurde ausrangiert, eine neue Meldestelle aus einem Bauwagen hergerichtet und sogar mit einer Sitzecke ausgestattet. Die größte und auch finanziell aufwendigste Baumaßnahme war der Sandplatz im Jahr 1997. Diese Maßnahme hat einiges Kopfzerbrechen bereitet. Helmut Böttcher, Eckhard Riechel, Thomas Kutzner, Dietmar Knauer u.a. haben sich einige Aussenreitplätze angesehen. Viele unterschiedliche Ratschläge und Meinungen prasselten auf sie ein. Was machen wir und vor allem wie? Und ist das dann auch wirklich richtig?

Der 1. Vorsitzende hatte manche schlaflose Nacht! Dann wurde entschieden: Fa. Gropengießer aus Wulften führt die Arbeiten aus. Der Platz ist von guter Qualität und technisch leicht zu pflegen. Da man bei schlechter Witterung immer nur durch große Pfützen in die Reithalle gelangen konnte, entschloss sich der Vorstand , von der Fa. Gropengießer preiswert Pflastersteine zu erwerben und den Hof zu pflastern. Das 20. Jubiläumsturnier mit VGH-Cup stand vor der Tür. An zwei langen Wochenenden wurden ca. 500 m² Pflastersteine verlegt. Für das 20. Jubiläumsturnier wurden 5 komplette neue Hindernisse angeschafft Ein Schnäppchen auf der Messe "Pferd und Jagd 1999" hat diese Anschaffung erst ermöglicht.

Die jährlich durchgeführten Turniere erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Aus dem ganzen norddeutschen Raum kommen die Reiter gern auf unsere herrlich am Oderparksee gelegene Reitanlage. Viele bezeichnen sie als eine der schönsten Reitanlagen in Südniedersachsen. Unsere Turniere sind immer bestens durchorganisiert und die Anlage ist immer top hergerichtet und geschmückt.

Ein ganz besonderer Dank gilt hier den vielen Spendern und Sponsoren, die dem Verein über all die Jahre die Treue gehalten haben und uns immer wieder finanziell und auch materiell unterstützt haben, ebenso dem Oberkreisdirektor a.D. Friedrich- Karl Böttcher für 19 Jahre Schirmherrschaft. Besonders zu danken ist unserem unvergessenen Bürgermeister und Vereinsmitglied Udo Stiemerling und der Familie Stiemerling insgesamt. Udo, der dem Verein immer hilfreich zur Seite stand, musste leider viel zu früh von uns gehen.

Wir vermissen ihn sehr.

Manfred Thoms gebührt an dieser Stelle auch ein ganz dickes Dankeschön. Trotz seiner vielen politischen Verpflichtungen ist er immer hilfsbereit zur Stelle, wenn man ihn braucht.

Auch mit vielen reiterlichen Erfolgen kann sich der Verein durchaus sehen lassen. Es wurden immer wieder -seit der Verein besteht- leistungsstarke Reiter ausgebildet. In den letzten Jahren wurde die Konkurrenz immer größer und das Pferdematerial züchterisch immer hochwertiger. Trotzdem konnten sich unsere Reiter gut und häufig platzieren. Im Verein ist es heute so, dass die Ausbilderin Helga Rossberg mit den ganz jungen Reitern an der Longe beginnt. Eine sehr viel Geduld erfordernde Tätigkeit. Danach gehen die Reitanfänger dann zu Helga Rakebrand, die diesen "Job" bereits seit 25 Jahren im Verein ausübt. Frau Rakebrand herzlichen Dank.

Die fortgeschrittenen Dressurreiter können sich bis zum Erlernen der A- und L-Lektionen von den Ausbildern Sylke Hopfstock, Stefanie Roeder (Richterin und Reitwart FN) und Sven Hörnschemeyer (Pferdewirt FN) "quälen" lassen. Auch die Springreiter kommen nicht zu kurz. Bei den Übungsleitern Fr.-W. Wemheuer und Gabi Schurtz sind sie in besten "Springerhänden". Für die Westernreiter gibt Klaus Hellmann sein Bestes.

Namen wie Matthias, Holger, Sylke Ullrich, Sabine Harenberg, Oliver Thoms, Tommy Welcker, Harald Denker, Anja Böttcher, Nina Zündel, Steffi Roeder, Markus Hartmann, Julia Völkel, Gabi Schurtz und noch viele andere haben in den zurückliegenden Jahren die Hattorfer Vereinsfarben in sportlichen Wettkämpfen hervorragend vertreten.

Der Verein zählt im Jubiläumsjahr 220 Mitglieder.
Wir haben allen Grund, uns über die Entwicklung unseres Vereins zu freuen und zufrieden zu sein.
Doch Zufriedenheit bedeutet auch Stagnation und Stagnation ist auf Dauer für das Vereinsleben ein gefährlicher Begleiter. Ein Verein braucht die schöpferische Unruhe, (dafür haben wir unseren 1. Vorsitzenden), um zukunfts- und ziel- orientiert zu arbeiten. Deshalb müssen wir alle mithelfen, dass sich unser Verein weiterhin kontinuierlich entwickelt.

Ergreifen wir Initiative, tragen wir Verantwortung im und für den Verein, dann können wir alle Herausforderungen in der Zukunft annehmen.

Neue Mitglieder sind herzlich willkommen.



Download Beitrittserklärung (PDF-Dokument, 618kB)